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Zuckerguss mit Aussicht

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Dieser Zuckergusslebensabschnitt sitzt wie eine Kalorien gewordene Minikrake auf einem Cupcake, in dessen Füllung sich die Zeit davor mit Bittermandeln vermengt hat – vielleicht war auch der eine oder andere Aprikosenkern dabei, im Ergebnis ändert sich nichts – und er scheint nur darauf zu warten, dass jemand ihn mit den Eckzähnen durchstößt, um der Wahrheit angewidert in den Hals zu kotzen. Du knabberst daran. Du liebst Zuckerguss. Du hast die Jahre davor vergessen. Du beißt zu gierig. Spürst die Zeit. Die Menschen in ihr. Sonne auf der Zunge. Lachen und Musik zwischen den Ohren. Sinnliche Hände an deinem Hals. Du drehst dich, den Biss noch zwischen den Zähnen, im Mondlicht. Suchst Wege nach Weiterkommen ab. Jetzt. Alles ist jetzt. Nur das zählt. Endlich dreht sich die Welt um dich. Endlich. Dreht. Dreht sich alles. Du schluckst. Verschluckst dich an deiner Liebe zu süßen Dingen, und das Zyanid der letzten Jahre rinnt versteckt in Vanillezuckerspeichelbahnen über deine Zunge. Du hältst an.

Es wird niemals alles gut sein. Hinter jedem Aufatmen. Hinter jedem Gefühl neu erlangter Freiheit. Hockt. Was davor die Luft nahm. Was an den Boden drückte. Zu Fall brachte. Den Verstand wie Glasmurmeln in Löcher rollen ließ. Treffer. Glänzende Treffer. Wenn du wieder aufstehst. Musst du ja immer. Müssen ja alle. Du kannst Schläge nicht wegstreicheln. Du kannst Ohnmacht nicht auf Touren bringen. Katastrophen nicht in Hamsterkäfigen gefügig machen und ihnen nachts nicht zusehen, wie sie im Laufrad ihre Kraft verpulvern. Nein. Sie schlagen zu. Sie verbrennen. Sie überschwemmen. Sie überfahren. Hängen dich an Schläuche. Sie haben keine Ahnung von bedingungsloser Liebe. Sie zerknicken kleine Kinderseelen, um ihr mickriges Ich ausgesprochen zu sehen. Sie werden keine Schuld daran haben, wenn andere ihre Narben tragen. Sie werden einfach nie eine Ahnung davon haben, das sie eigentlich in ein Hamsterrad gehören.

Du malst dir einen Ponyhof aus Zuckerguss und nennst ihn Neues Leben. Darin gibt es keine Katastrophen. Autos bremsen rechtzeitig. Männern fallen die Hände ab, bevor sie sie gegen Schwächere erheben. Feuer brennt nur im Kamin. Sternenkinder sitzen Beine schaukelnd auf einem Mauervorsprung. Jeder, der jemanden anbrüllen will, kann nur alberne Lieder singen. So albern, dass auch der Sänger lacht und darüber hinaus vergisst, was es zu brüllen gab. Einsame, die Gesellschaft wollen. Fremde, die gesehen werden wollen. Für jeden wird jemand irgendwo sitzen oder stehen, der die Hand auf den Rücken legt, und fragt, wie geht es dir gerade? Es werden sich die Menschen zusammenfinden, die einander verstehen. Die sind, wie sie sind. Die dich nicht fragen, wieso du mit deinen gemalten Bildern im Bett schläfst. Wieso du gar kein Dach über dem Kopf willst. Wieso sie du deinen Traum lebst und einen Sinn im Leben suchst, der über Steuerzahlungen und das Schwungrad im Rhythmus zu halten hinaus geht. Niemand trägt seine Maske auf diesem Hof. Trotzdem darf jeder in jede Rolle schlüpfen, die seine Facetten ihm entlocken. Alle sind mutig genug, anders zu sein. Anders.
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Doch dann knabbert etwas von oben am Topping. Du spürst es deutlich und rennst vor das Tor. Und ja. Da draußen ist noch alles so, wie du es verlassen hast. Das ganze alte Leben, das dich dorthin geführt hat, liegt noch da. In allen Farben. Und an Tagen, wenn du nur dunkle Farben siehst, bist du vielleicht erstaunt, dass nichts davon verschwunden ist. Es war nur leiser. Fast still. Hat dich weggehen lassen, ganz nach oben auf die Spitze des Cupcakes. Für ein bisschen Aussicht auf das, was da noch kommt. Und nach dem ersten Schrecken sagst du dir, es war mal ganz schön, eine Weile mit den Füßen in Buttercreme zu stecken.

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