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MÄRCHEN(B)RATEN

Immer noch bis zu den Knöcheln im Blut des Drachen,
in seinem Herzen die Silberklinge aus deiner Hand.
Wer räumt das alles wieder auf nach diesem Streit?
Der Auftrag für seinen Kopf, das Verlocken, winkt
haarraufend grimmig zu Jacob und Wilhelm täuscht
mit Aufstiegsversprechen. Kraut wächst dagegen nicht.

Aber du hältst sehnend an ihren Locken fest.
Soll sie sich doch herablassend erleichtern und
mit ihrem Haupt, das von Gedanken entflutet
eben das sabbernde Brudervolk verabschiedete,
dein Kräuselhaar ehrbar in Rinnsalen schmücken.
Birgt Lieben in Türmen nach Hieben nur Tücken?

Fluchtfaule Lahmbereitschaft liest du, in ihr
wächst der Wunsch nach Dableiben. Punsch wäre was,
säuselt sie dir zu und dein Zahn tropft Spinnweben
voll, die kleben, klumpen, dehnen sich. Opfernd
windet sich dein Gesicht darunter, bis du volltrunken
Manns genug bist, die Reißleine zu ziehen und fliehst.

Als du dreimal um das lodernde Feuer springst,
den Namen laut rufend, dem japsend ein Zwerg folgt,
denkst du an Gold und dass ihr spinnen sollt.
Gift spritzt, geifernde Gallen blasen sich auf
den Balg unterm Rocke, rot schlägt sein Haar durch,
bis Muttern mit sechs Kindern anner Hand ruft:

»Kraut wächst dagegen nicht! Dafür spricht
mein eiskaltes Herz«, Ebenholzschwarz umrahmt
schneeweiße Haut. Den blutroten Lippen traut
jeder der Sechs und auch der Tanzende am Feuer nicht,
keinem voran das Ungeheuer, dessen Kopf ausgerufen
du nun keinen Zoll voll Stolz zu Grabe trägst.

Denn in deiner Hand die Silberklinge stecket
noch in seinem Herzen. Wenn Kerzen erlöschen,
sterben Seelen, sagst du und streichst dabei
dem Mädchen über den rot behüteten Kopf, klopf-klopf,
klingelt es an der Tür und Isegrim bittet zu Tisch.
Alles frisch, heute Nacht wird niemand mehr erlöst!

© Jo Lenz, 2014

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