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Als die Halloween-Hexe eine Freundin war

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Als die Erde sich mit den Herbststürmen durchs Haar gefahren war und die Bäume ihre Blätterkleider abgelegt hatten, wurde es klapperkalt in Mückelplutz.

Krummnase war seit einigen Wochen ein Kindergartenkind und Mooskopf ging seit genauso langer Zeit in die Schule. Seit die beiden den Preis für das gruseligste Kostüm vom Bürgermeister erhalten hatten, waren die anderen Kinder viel netter zu ihnen geworden. Krummnase hatte so gar lauter kleine Fingernagelüberzieher von ein paar Eltern geschenkt bekommen, damit sie mit ihren krummen Fingern und den messerscharfen Hexenkrallen nicht mehr ihre Schnürsenkel kaputt schnitt, wenn sie sich die Schleife band.
Wenn die kleine Halloween-Hexe trotzdem traurig darüber war, dass ihr das Malen wegen der langen krummen Nase immer noch nicht so recht gelingen wollte, fand sich schnell ein freundliches Kind in der Gruppe, das ihre Tränen trocknete und ein anderes, das ihre Bilder lobte und ihr damit ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Jedes mal, wenn das geschah, rannte Krummnase tatsächlich eins, zwei, fix in den Waschraum und blickte in den Spiegel. Darin konnte sie sehen, dass ihre Tränen verschwunden waren und dass ihre schmalen schwarzen Lippen sich zu einem Lächeln verzogen hatten, welches von dem linken Ohr bis zu dem rechten Ohr reichte.
»Hui, ihr seid ja richtige Zauberer«, gluckste sie dann vor Freude, breitete die Arme auseinander und hüpfte von einem Bein auf das andere. Die anderen Kinder hielten sich dabei immer ein bisschen die Hand vor den Mund und kicherten. Sie wollten die Hexe nicht auslachen … aber sie sah eben einfach zu komisch aus.

Krummnase war das einerlei. Sie freute sich darüber, wie sie sich freute und kam an solchen Tagen quietschvergnügt zu Hause an. Sie begrüßte die Spinnen im Zaubertranktopf, warf ihnen rosa Lebensmittelfarbe hinein und ein paar kandierte Obstfliegen. Dann rührte sie alles fein durcheinander und lachte, »fahrt hübsch Karussell, meine Lieben, ihr sollt doch auch etwas von meinem tollen Tag haben!«
Die Spinnen konnten zwar mittlerweile schwimmen und ertranken an dem Jubelwirbel von der kleinen Halloween-Hexe nicht, aber ihnen wurde es von dem vielen Herumgedrehe und den süßen Fliegen so furchtbar übel, dass sich ihre Gesichter ganz grün und lila färbten und sie sich nur mühsam auf den Topfrand retten konnten. Da lagen sie dann, eine neben der anderen, auf dem Rücken, ließen ihre Zungen heraushängen und japsten nach Luft.
Wenn Mooskopf das mitbekam, rügte er Krummnase ordentlich.
Er stand dann vor ihr, und seine Zehen fingen an, einen wütenden Wackeltanz zu vollführen. Dabei klopften sie energisch auf den Höhlenfußboden, so dass sofort etwas Staub aufwirbelte und alle im Raum niesen mussten. Alle, sogar die Spinnen auf dem Topfrand. Sobald der Zehwackelzauberer fertig geniest hatte, erhob er die Stimme, wobei er jedes Mal versuchte, sie dabei etwas tiefer klingen zu lassen, und begann zu schimpfen.
Leider klang er in der aufgewirbelten Staubwolke und mit der mal piepsenden mal grummelnden Stimme so albern, dass die kleine Hexe nie wirklich Angst vor ihm bekam. Das machte ihn dann wiederum traurig, aber nur so lange, bis Krummnase sich bei den Spinnen entschuldigt und versprochen hatte, das nie wieder zu tun und bis sie vor ihm die Arme ausbreitete, ihre schwarzen Lippen zu einem riesigen Lächeln verzog und von dem linken Bein auf das rechte Bein sprang und dabei sang:

»Grummelmoos und Schimpfmichkopf
Bist ja so ein lieber Tropf
dass du Spinnen magst und mich
glaub mir, dafür mag ich dich.«

Na, das kannst du dir schon denken, dass da der Zauberer gar nicht lange böse sein konnte und die Entschuldigung von der kleinen Hexe gerne annahm. Und so saßen die beiden auch an solchen Abenden einträchtig jeder auf seinem Schlafzapfen und träumten sich den nächsten Tag zurecht.

Eines Morgens nun, als gerade das allerletzte Blatt von der alten Buche gefallen war, die mitten auf der Wiese des Kindergartens in Mückelplutz stand und die im Sommer so schön Schatten spendete, geschah etwas Sonderbares.
Danny, der Größte und Lauteste aus der Gruppe, ging vor dem Eingang auf die kleine Hexe zu und sagte zu ihr: »Du darfst ab heute meine Freundin sein und ich werde dich beschützen.«
»Oh«, antworte Krummnase erstaunt, »das ist aber lieb von dir.« Dabei schlug ihr kleines Hexenherz einen dreifachen Purzelbaum und sie dachte bei sich, dass es bestimmt eine tolle Sache wäre, Dannys Freund zu sein. Das würde ja heißen, dass er nie, nie wieder Lieder über sie singen würde, die sie traurig machten. Krummnase sah ihm ins Gesicht.
Danny lächelte sie an und seine hellblauen Augen flackerten dabei, als würden sie direkt in das funkelnde Feuer eines riesengroßen Diamanten blicken. Sofort hüpfte Krummnases Herz noch einmal auf und ab. Sie lachte und verschwand hopsend im Haus.
Wie immer, wollte sie dort ihre Sachen an den Haken hängen, über dem das Feuerwehrautoschild klebte. Sie liebte an Feuerwehrautos besonders, dass sie lautes blaues Licht auf ihren roten Mützen trugen und war sehr froh darüber, dass das ihr Bild an allen Stellen war, die in dem hübschen Haus für sie bestimmt waren.
»Halt«, sagte da plötzlich Dannys Stimme hinter ihr, »das ist ab heute mein Bild!«
»Aber …«, wollte die kleine Hexe erwidern, doch Danny ließ sie nicht zu Wort kommen.
»Du willst doch mein Freund sein, oder?«, fragte er mit einer Stimme, die nicht mehr so nett klang, wie zuvor.
»Ja … schon«, antwortete Krummnase und schluckte einen Kloß herunter, der ihr mit einem Mal im Halse steckte. Vielleicht muss man das tun, wenn man von jemandem ein Freund sein will, überlegte sie und sah ihn lächelnd an. »Na gut, ich schenke dir mein Schild gern. Wenn es dich glücklich macht.«
Krummnase nahm ihren Mantel von dem Haken unter der Feuerwehr und trottete ans andere Ende der Bank, wo das Bild einer Schnecke hing. »Nun ja«, seufzte sie und sah auf das Bild. »Du kannst ja auch nichts dafür, dass du nur eine Schnecke bist …«, und leise flüsterte sie, «… und nicht so schnell wie ein Feuerwehrauto rasen kannst.« Dann ließ sie die Schultern hängen. »Und ohne laute blaue Lichter auf dem Kopf würdest du ja sonst wohlmöglich auch jemanden aus Versehen umrasen. Hm?«
Krummnase stubst mit ihrer Hakennase vorsichtig das Schneckenbild an. »Bist du eben ab heute mein Bild.«

»Schnell, schnell!«, rief Frau Ratzifatz in den Flur, »alle auf ihre Plätze, wir wollen frühstücken.«
So schnell sie konnte, schlurfte Krummnase zu den anderen Kindern, wo sie sich sofort auf ihren Platz zwischen der rothaarigen Ruth und der ängstlichen Annabel setzen wollte. Aber da saß schon ein anderes Kind. Verwundert sah sie an dem großen runden Tisch von einem zum anderen. Dann blieb ihr Blick an Danny hängen, der grinsend auf seinem Stuhl kippelte und neben sich auf den freien Platz klopfte. »Extra für dich frei gehalten«, rief er über den Tisch, »die Frau Ratzifatz hat es erlaubt. Du darfst ab heute neben mir sitzen.«
»Hm«, machte die Hexe und ließ ein wenig ihre Nase sinken. Wenn man ein Freund ist, dachte sie, muss man das wohl so machen. Und so ging sie um den Tisch herum und setzte sich neben Danny.
»Nachher, wenn wir draußen sind, darfst du mit uns Fußball spielen«, flüsterte er ihr zu, »alles schon abgesprochen. Du darfst sogar ins Tor.«
»Ins Tor?«, fragte die kleine Hexe erschrocken und sah auf ihre langen krummen Finger, »Meinst du wirklich, dass das eine gute Idee ist? Ich kann das gar nicht. Wenn ich nun den Ball nicht halten kann … sollte ich nicht erstmal ein bisschen üben?«
»Ach, Quatsch!«, entgegnete Danny ihr zuversichtlich, »So lange ich dein Freund bin, geht das in Ordnung. Keiner wird etwas gegen dich sagen.«
»Na, wie du meinst.« Krummnase zuckte mit den Schultern, lächelte ein wenig und dachte bei sich, dass das wohl so sein muss, wenn man ein Freund ist.

***

17111337_sNach dem Frühstück liefen alle Kinder hinaus in den Garten.
Annabel und Ruth standen vor dem kleinen Holzhäuschen mit den Spielsachen und hielten Krummnase  das Springseil hin. »Hier«, sprach Ruth freudig zu ihr, »hüpfen wir wieder?«
»Nein«, antwortete Krummnase kleinlaut, »ich spiele heute Fußball.« Sie drehte sich um, sah zu Danny und dann wieder zu den beiden Mädchen. »Ein anderes Mal, ja?«
»Aber wir finden es so lustig, wenn du hüpfst«, riefen Ruth und Annabel ihr hinterher, als Krummnase schon auf dem Weg ins Tor war und die Worte nur noch leise hören konnte, weil Danny und die anderen Jungs lauthals kreischten.
»Jaa! Ab heute steht eine echte Hexe in unserem Tor! Das hat keiner sonst. Jaa! Eine Halloween-Hexe!«
»Puh!«, machte Krummnase und sah zu den beiden Mädchen, die sehr traurig aussahen. Sie standen sich gegenüber und drehten das lange Seil in der Luft, obwohl niemand in der Mitte stand, um darüber zu springen. »Es ist ja wirklich gar nicht leicht, ein Freund zu sein.«, sagte sie zu sich und stellte sich in das Fußballtor.

***

»Das war heute kein schöner Tag«, seufzte Krummnase am Abend, als sie mit Mooskopf vor dem Zaubertranktopf stand und den Spinnen beim Schwimmen zusah.
»Was war denn los?«, fragte Mooskopf, der offensichtlich mit seinem Tag ganz zufrieden war.
»Ach, ich sollte sehr glücklich sein, denn seit heute bin ich im Kindergarten eine Freundin von Danny.«
»Das ist doch etwas wirklich Schönes und kein Grund zum Seufzen.«
In dem Zaubertranktopf blubberte und sprudelte es plötzlich, denn die Spinnen klatschten mit allen Beinen Beifall.
Krummnase jedoch dachte an die vielen kaputten Bälle, die es gegeben hatte, als sie im Tor stand. Ihre spitzen Finger hatten sich beim Auffangen hinein gebohrt – dazu musst du wissen, dass Halloween-Hexen besonders viel Kraft haben, wenn sie aufgeregt sind. Außerdem dachte sie noch an die traurigen Gesichter von Ruth und Annabel. »Ach, wenn ihr wüsstet«, flüsterte sie, »ein Freund zu sein, ist verdammt schwer.«

***

Am nächsten Tag, als alle Blätter von der Straße gefegt waren und in Säcken darauf warteten, dass ein Wagen von der Stadtreinigung sie abholte, hing Krummnase ihre Jacke wieder unter das Schneckenbild.
»Doofe Schnecke«, sagte sie, »du bist lahm.« Dann ging sie hinein, lief an ihrem alten Platz zwischen Ruth und Annabel vorbei und setzte sich wieder neben Danny.
»Guten Morgen!«, begrüßte sie ihn und versuchte zu lächeln. Dann packte sie ihr Frühstück aus.
»Guten Morgen, kleine Hexe!«, antwortete Danny, »Heute bauen wir eine Bude und du bist unser Werkzeug, es ist alles schon mit den anderen abgesprochen. Die freuen sich wie verrückt, weil du mitmachst.«
»Ein Werkzeug? Ich darf außerhalb der Halloween-Nacht nicht hexen.« Krummnase sah Danny entgeistert an. Wieder flackerte es in seinen Augen.
»Na, da!«, sagte er und zeigte auf ihre Hände, »Du ziehst einfach die Dinger von deinen Nägeln und dann haben wir zehn kleine Schnitzmesser und können unsere Holzpflöcke wunderbar anspitzen und vielleicht brauchen wir auch noch Pfeile, wenn wir Indianer spielen wollen. Das wird ein Spaß!«

»Pffff«, pustet Krummnase die Luft zwischen ihren Lippen aus, die sie für einen Moment angehalten hatte, »also … ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.« Sie betrachtet die bunten Lederhütchen auf ihren Fingernägeln. »Ich könnte jemanden verletzen damit. Ich müsste doch erst lernen, wie man damit schnitzt.«
»Ach, Quatsch!«, entgegnete Danny, »So lange du meine Freundin bist, geht das in Ordnung.«
Die kleine Halloween-Hexe zögerte und guckte verstohlen quer über den Tisch zu Ruth und Annabel die mit dem Kind in ihrer Mitte lachten und sich unterhielten.
»Oder willst du etwa nicht mehr, dass du mein Freund bist?«, fragte Danny drohend.
Krummnase wackelte nachdenklich mit dem Kopf hin und her. »Weißt du«, antwortete sie und sah in Dannys flackernde hellblaue Augen, »ich will aber nicht schnitzen«, sie holte tief Luft, »und ich mag nicht, dass Ruth und Annabel traurig sind, weil ich nicht mehr so lustig über ihr Seil hüpfe.« Sie guckte auf ihre krumpligen Hexenhände. »Ich mag heute nicht mit euch spielen, sondern mit denen.« Sie zeigte zu den beiden Mädchen, die noch immer mit dem Kind in ihrer Mitte herumalberten.
»Das geht nicht«, antwortete Danny, »ein richtiger Freund macht IMMER, was ich sage.«

Jetzt holte die kleine Halloween-Hexe noch einmal ganz tief Luft und nahm allen Mut zusammen. »Wenn das so ist«, sagte sie leise und trommelte mit ihren Fingern auf dem Schoß herum, »dann will ich lieber nicht mehr dein Freund sein.«
In dem Moment, als sie die Worte ausgesprochen hatte, guckte sie ihnen ängstlich hinterher. Ihr Herz klopfte laut und ihre schwarzen Lippen zitterten ein bisschen. Danny ist immerhin der Größte und Lauteste in der Gruppe. Was würde er jetzt wohl tun?
Krummnase musste nicht lange warten. Danny beugte sich ganz dicht an ihr rechtes Ohr und zischte ihr eine Gänsehaut auf den Rücken: »Du wirst schon sehen, was du davon hast«, drohte er, »und vielleicht kommt irgendwann ein dummer Schlappschwanz und will dich haben.«
Krummnase sah ihn traurig an und plötzlich sprang Danny auf und stellte sich auf seinen Stuhl. Er blies sich so groß auf wie ein Elefant, stellte seine Hände wie Ohren an den Kopf und wackelte mit ihnen. Dabei sang er lauthals. So laut sang er, dass alle im Kindergarten es hören konnten:

»Alle Kinder malen bunte Kreise.
Bloß die doofe Hexe,
die mahacht Kleckse.«

***

Krummnase ist auf den Flur gerannt, in ihre Ecke unter die lahme Schnecke und hat der Schnecke auf dem Bild eins, zwei, fix – eins auf die Nase gegeben.
»So geht gar keine Freundschaft! Das glaube ich nicht!«, hat sie das Bild angeschrien und gemerkt, wie ihr kleines Hexenherz immer lauter schlug. Es pumpte und bollerte, und das Blut schoss wie verrückt durch die Adern und heizte den Tränenkessel in Krummnases Bauch an.

Und was passiert dann? Na? Das könnt ihr euch schon denken. Na klar, wenn der Tränenkessel zu heiß wird, kocht er über. Und wo kommt das Ganze dann heraus? Richtig. Aus den Augen und aus der Nase.

Ein Tränen-Schnodder-Gestrüpp klebte nun also in dem Gesicht von der kleinen Hexe, denn sie weinte bitterlich. Und so saß sie da. Unter der lahmen Schnecke. Schluchzte und wackelte und konnte sich nicht einmal das Gesicht abwischen. Jaaaa, wenn sie jetzt noch einen Freund hätte, würde der ihr sicher helfen. Aber das hatte sie sich gehörig verdorben. Oder nicht?

***

»Arme kleine Halloween-Hexe«, sagte Ruth.
»Ja. Arme kleine traurige Halloween-Hexe«, sagte Annabel.
Die beiden Mädchen standen dicht vor Krummnase. Vier Mädchenschuhspitzen stießen an zwei nach oben gebogene Hexenschuhspitzen, und vier Mädchenhände streichelten einen traurig herunterhängenden Kopf mit einer langen krummen Nase.
»Was hast du denn?«, fragte Ruth.
»Bist du traurig, wegen dem doofen Lied von Danny?«, fragte Annabel.
»Genau«, schniefte Krummnase und hob langsam den Kopf, »ich bin eine ganz schlechte Freundin und bin selber daran Schuld, dass er jetzt so gemein zu mir ist.«
»Niemand ist Schuld.«, sagte Ruth.
»Danny will immer der Bestimmer sein, stimmt’s?«, fragte Annabel.

Die Mädchen zogen schweigend ihre Taschentücher aus der Hose und begannen, das Tränen-Schnodder-Gestrüpp aus dem Gesicht der kleinen Hexe zu wischen. Krummnase blickte sie dankbar an. Noch einmal wurde sie von dem Dampf aus dem Tränenkessel in ihrem Bauch ordentlich durchgeschüttelt. Dann erzählte sie den beiden von der Sache mit den Schnitzfingern …

»Das hast du gut gemacht.«, sagte Ruth.
»Ja, dass war gut, denn du musst nichts machen, was du nicht willst.«, sagte Annabel.
»War das ein Lob?«, fragte Krummnase und verzog ihre schwarzen Lippen zu einem Lächeln.
»Ja!«, antworteten beide Mädchen wie aus einem Munde.
»Aber … aber … jetzt habe ich ja wieder keinen Freund«, sprach Krummnase leise und starrte auf ihre Nasenspitze.

Da brachen Ruth und Annabel in schallendes Gelächter aus und hielten sich die Bäuche.
»Du siehst so komisch aus, wenn du schielst.«, sagte Ruth.
»Ja, und du sagst so komische Sachen, wenn du weinst.«, sagte Annabel.
»Was habe ich denn Komisches gesagt?«, fragte Krummnase verwundert.
»Na … Ha-ha …«, lachten und redeten wieder beide gleichzeitig, »wir … Ha-ha … sind doch deine … deine – Ha-ha … wir sind doch schon längst deine Freunde!«

***

Am Abend lachte auch der Zehwackel-Zauberer auf seinem Schlafzapfen, als Krummnase ihre Geschichte aus dem Kindergarten erzählte.
»Da warst du aber gehörig dumm«, sagte Mooskopf, »dass du gar nicht gemerkt hast, dass du schon längst eine Freundin bist.«
»Zum Glück haben mir Ruth und Annabel Bescheid gesagt«, kicherte Krummnase und bekam einen Schluckauf. Als sie sich beruhigt hatte, fragte sie Mooskopf etwas, worüber sie schon die ganze Zeit nachdachte.
»Duhuu, Mooskooopf?«
»Ja, Krummnase?«
»Warum ist Danny so? Warum will er Bestimmer sein und warum ist er so gemein?«
»Hm«, machte Mooskopf und überlegte, denn das war selbst für einen klugen Zehwackel-Zauberer eine schwierige Frage, »vielleicht ist er eigentlich ein trauriger und einsamer Junge?«, antwortete er schließlich, »Vielleicht hat er großen Kummer tief in sich drin. Du weißt schon, da wo der Tränenkessel sitzt. Manche Menschen halten den Kessel nämlich fest verschlossen, weil keiner sehen soll, wie es ihnen geht.«
»Oooh«, machte Krummnase und ihr Mund formte sich zu einem schwarzen Kreis, »dann kann er einem ja leid tun?«
»Ja. Das kann er vielleicht.«, erwiderte Mooskopf und kratzte sich nachdenklich am Kopf.

***

Als Mooskopf schon leise schnarchte, sah sich die kleine Halloween-Hexe durch das Loch im Waldboden den Nachthimmel an. Sie freute sich über den vollen Mond, der zu ihr hinunter sah. Zufrieden klammerte sie an ihrem Schlafzapfen und ein bisschen schien es ihr, als lächle der Mond sie an. Sie sah genauer hin und hörte ihn plötzlich mit tiefer Stimme sagen: »Das hast du gut gemacht.«
Kurz erschrak sie sich. Doch dann verzogen sich ihre schmalen schwarzen Lippen von dem linken Ohr zu dem rechten Ohr zu einem Lächeln, und sie schloss ihre Augen. Während sie glücklich und zufrieden ins Traumland schwebte, dachte sie noch einen allerletzten Gedanken … vielleicht würde sie Danny irgendwann einmal fragen, ob er traurig oder einsam war.

Da die Bewohner der Waldhöhle nun endlich schliefen, auch die Spinnen im Zaubertranktopf, zog der Mond weiter und ließ für alle Mückelplutzer eine klapperkalte Nacht zurück. Eben so, wie sich das für diese Jahreszeit gehörte.

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