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Du liebes altes Jahr …

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… es ist nicht so, dass ich dein Vergehen ignorieren will. Das ginge allein durch die ringsum detonierenden Böller schon seit Tagen nicht. Freilich, heute verstärkt, so dass ich vorhin froh war, nach dem Stelldichein mit meinen Kindern beim Koreanischen BBQ, wieder heil Zuhause gelandet zu sein, wo die letzten Reste meiner ersten beiden Knäule „Noro Silk Garden“ darauf warteten, in den Streifen eines Schales verschlauft, naja, ganz einfach verstrickt zu werden, denn, ja, sie hat wieder zugeschlagen, die Winterdepression abwehrende Wollrausch- und Stricksucht. Kann ich nur empfehlen …

Du hattest schöne Momente für mich. Manche gefüllt mit Glückseligkeit, wenn ich zum Beispiel an die fünf Delphine denke, die in Portugal völlig unerwartet am Strand entlang schwommen – mein Höhepunkt in vier Wochen Leben unter freiem Himmel.
Glückliche Momente auch, weil ich im Frühjahr mit Unterricht begann, um das Instrument Stimme spielen zu lernen. Danke für den wunderbaren Lehrer!
Danke, für die tollen Familien, die mir ihre Schätze anvertrauen! Ich durfte in Spanien arbeiten, in Hamburg, auf Fehmarn, und immer wieder in Berlin.
Danke für meine Familie – die beste Mama der Welt und meine Kinder, auf die ich super stolz bin, weil sie ihre Wege gehen, wie sie sie gehen.
Danke für beste Freunde, (mögen sie auch auf dem Planeten weit verstreut sein), die da waren, als ich sie brauchte, denn du
hattest auch blöde Augenblicke, und wenn ich so in mich horche, glaube ich fast, die haben sich fester gebissen, als ich dachte, denn du hast mir Illusionen geraubt. Mich resignieren lassen. Und etwas ist in mir gestorben, von dem ich nicht weiß, ob es in der Zukunft adäquat ersetzt werden wird, und ob die Wunden jemals ganz heilen werden … am schmerzhaftesten treiben uns die Menschen an unsere Grenzen, die wir lieben, und manchmal gibt es dann kein wirkliches Zurück mehr in das Land, in dem wir federleicht vor uns hin schwebten … die Zeit wird’s zeigen.
Vielleicht kommt auch alles einfach auf das Konto des Älterwerdens, und Resignation gehört irgendwann dazu? Ich weiß es nicht. Es fühlt sich fremd an in mir, und ein fader Bei- und Nachgeschmack bleibt.

Aaaaaber, du liebes Jahr, du hast mir so kurz vor deinem Ausklang auch wieder gezeigt, dass wir manchmal das bekommen, was wir bekommen sollen, wenn wir darauf vertrauen. Du hast mir einen langjährigen Wunsch erfüllt, und lässt damit deinen Nachfolger stürmisch starten. In vier Tagen verabschiede ich mich aus dem grauen Winter in Berlin für zwei Monate an die Atlantikküste.
Dort, wo wir im Spätsommer an einem Abend während unserer Reise saßen, in dieser kleinen Bucht an Portugals Westküste, steht mein „Leuchtturm“, in dem ich mich zum Schreiben zurückziehen darf. So nah am Meer, wie es nur geht. So einsam und einfach, wie es dort geht. Kein wirklicher Turm, aber mental wird das kleine grüne Haus das für mich sein.

Ich sage danke, dass ich das so erleben und ausprobieren darf, und dass „meine Familien“ bis März auf mich warten wollen und Verständnis für meine Schreibflucht aufbringen!

Und nun wünsche ich dir, dass dir die vielen Knaller kein Ohrensausen bescheren, und dass viele Menschen Grund haben, dir zu danken, und du dich somit verdient, trotz sicher massenhaft weher Gefühle, in den Ruhestand begeben magst, denn anders als wir, kannst du nichts mehr verändern, kannst nichts wieder gut machen, kannst es dir nicht anders überlegen.

Ich weiß ja nicht, wie das so zwischen euch ist, aber vielleicht kannst du dem neuen Spross, der in einigen Minuten Einzug hält, ein paar Worte mit auf den Weg geben, um Dinge zu ändern, die uns und unserem Planeten dabei helfen, eben nicht zu resignieren, auch wenn das bei vielen zermürbenden Nachrichten schwer vorstellbar erscheint. Mag das 2018 vieeel mehr Frieden und Freiheit im Gepäck haben, und Zufriedenheit mit wenigstens einem richtig glücklichen Moment für jeden von uns, und für den dann zwölf Monate später jeder dankbar zurückblickt.

Es ist jetzt 23:23 Uhr und so muss ich an einen besonderen Menschen denken, der der 23 besondere Bedeutung beimisst … und ich hoffe, dass er noch lange mein besonderer Mensch bleibt.

Rutscht gut, besinnlich, stimmungsvoll, nachdenklich, wehmütig, vielleicht auch traurig, wenn euch danach ist … hat ja alles seine Berechtigung … aus dem alten in das neue Jahr. Ich wünsche euch Gesundheit, und dass im entscheidenden Moment jemand da ist, der einfach nur fragt: „Geht es dir gut?“, und den eure Antwort interessiert 🙂

Licht & Liebe & Happy new year!!!

Jo

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