»Die Guerilla-Laterne«

Eine Ode ans Stricken

Nördlingen hat mich inspiriert
Nördlingen hat mich inspiriert

Es war einmal eine Laterne,
Die hatte jedermann gerne.
Stets genügsam, still und brav,
Bewachte sie der Menschen Schlaf.
Stand tagein, tagaus bereit.

An einem Frühlingsmorgen hielten
Viren Einzug, und sie schielten
boshaft zur Laterne hin.
Nichts Gutes führten sie im Sinn.
Abends war es dann soweit.

Als alle Kinder träumend schliefen,
Letzte Paare »Schlaf gut« riefen,
Griffen fiese Viren an.
Ihr Ziel war weder Maus noch Mann.
Das könnt Ihr Euch schon denken.

Und fröstelnd steht am nächsten Morgen
Die Laterne voller Sorgen.
Alles kribbelt wirr in ihr,
Und zwickt mal da und zwackt mal hier.
Sie würd’ sich gern verrenken.

Zu ihren Füßen läuft das Wasser,
bald erscheint sie blass und blasser.
Hilflos leidend hofft sie stumm.
Doch niemand dreht sich nach ihr um,
Bevor die nächste Nacht beginnt.

Die Viren wollen’s krachen lassen.
Lärm und Licht durchdringen Gassen,
Flackernd niest der Staßensaum,
Laternengrippe bricht vom Zaun.
Doch der Mensch schläft wie ein Kind.

Plötzlich blicken Augen fragend,
Von Frau Mayer schrillt es klagend:
»Kommt das von der Straße her?
Um die Zeit niest sonst keiner mehr!«
Ängstlich weckt sie ihren Mann.

Die beiden checken schnell die Lage.
Sie müssen handeln. Ohne Frage
Rufen sie zur Hilfe auf.
Die Nachbarn komm’ im Dauerlauf.
Jeder strengt sein Denken an.

Es hustet klirrend, es knarzt und klingt
Tumult, als ob die Stadt versinkt.
Dann die rettende Idee:
»Wir stricken Riesenschals, juchhe!«
Der Guerilla-Strick per se.

Und wenn du heut in Städten siehst,
Gestricktes, das um Lampen sprießt,
Um Bäume, Zäune, Schilder,
Schieß mal davon ein paar Bilder
Und schick die an Jo ät JoLenz de eh.

(2013)

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