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»Die Dichterschlacht«

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Es stritten einst zwei Literaten,
welche Kunst denn höher sei,
sprangen, standen in Spagaten,
rauften für die Schreiberei.

»Wahre Kunst«, so pries der eine,
»die vermag nur Poesie.«
In ihr stecke das Geheime
dieses schaffe Prosa nie!

»Lob die Großen, lob sie bald«,
sprach der and’dre und hob an.
Grimm’ge Blicke warf er kalt
stand in alter Meister Bann.

»Preise Band für Band von Helden
Lieben, Leiden, Krieg und Pein!
Was hat schon ein Vers zu melden,
was soll sein Geheimnis sein?«

Während sie den Wodka schluckten,
gaben ihre Worte sich
eins ums andere, und sie spuckten
Gift und Galle, fürchterlich.

Kafka schlug den Heine nieder
Goethe fordert‘ Grass heraus.
Tolstoi zog Tucholsky wieder
aus den Versmaßen hinaus.

Ach, sie schrien, wie sie sprangen
wild und laut in kalter Nacht.
Jeder hat sie hoch gehangen,
Worte, deren Klang entfacht‘

Leiden schaffte ihre Liebe
zu der großen Meister Werk.
Sie vergaßen, was ja bliebe,
schätzten sie das Augenmerk

jeweils ihres Gegenüber,
eins auf Lyrik, Prosa dann.
Denn es einte, wär’n sie klüger,
beider Lust an gleichem Bann.

Wort um Wort war das Geheimnis,
dem sie bald erliegen sollten.
Messers Schneide trüge Gleichnis,
dem sie blinde Wut nur zollten.

»Lyrik«, sprach der eine los,
zog im Eifer kalten Stahl,
»Lyrik, diese schafft es bloß,
was ich dir jetzt dafür zahl!«

Und er hieb mit roten Augen
blind von Fusel, Poesie.
Seine Tat wird beidem taugen.
Dramen, die entkommen nie.

Es stritten einst zwei Literaten,
welche Kunst denn höher sei.
Ich will als Antwort nur verraten,
mein Musenkuss war ihr Geschrei.

© Jo Lenz, 02.02.2014

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