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»Weg sehen, wo Wege sind«

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… und dann war da frühmorgens dieses Gedicht, das ich – die Augen klar gerieben – in mein Handy tippte.
In München verkaufen sie die »BISS« – in Berlin heißt sie »motz«. »Sie« – das sind (nach meiner Recherche) Betroffene, die zum Selbstkostenpreis diese Zeitungen erwerben, um mit dem Verkauf etwas Geld zu verdienen. Wer noch nie eine gekauft hat … ich finde es lohnt sich …

Und rein in die Bahn, denn mein Magen ist leer
Und in meinem Arm die Zeitung so schwer
Doch viel schwerer noch wiegt euer Blick weg von mir
Glaubt mir, ich stünd‘ lieber im Regen als hier

Doch mein Magen ist leer
Und die Zeitungen schwer
Seht doch hin
Denn mir bleibt nur der Schritt zu euch her

Die Bahn ist geheizt, und es regnet nicht rein
Fast so schön muss das Dach über euerm Kopf sein
Ich besaß es einst auch, hatte Kinderlein zwei
Eine Frau – bis zum Unfall – dann war alles vorbei

Ich geb zu, ich war schwach, hab den Kummer ertränkt
In dem Zeug, dass mich schneller ins Abseits gedrängt
Als ich meinen Verstand wieder zu mir geholt
Bitte glaubt, ich hab meinen Verlust nicht gewollt

Jetzt bin ich auf dem Weg in geordnetes Sein
Darum kam ich zu euch in die U-Bahn hinein
Vierzig Cent habe ich für die Zeitung gespart
Für jede von ihnen – das ist mein neuer Start

Darum seht mich doch an
Ich war einstmals ein Mann
So wir ihr, mit ’ner Tür, die ich abschließen konnte
Als ich mit ’ner Familie im Reihenhaus wohnte

Hab‘ Lektionen gelernt
Mich an Hunden gewärmt
Den Alkohol lasse ich stehen
Die Zeitung ist schwer
Doch es plagt mich noch mehr
Euer demonstratives Wegsehen

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