Du liebes altes Jahr …

… es ist nicht so, dass ich dein Vergehen ignorieren will. Das ginge allein durch die ringsum detonierenden Böller schon seit Tagen nicht. Freilich, heute verstärkt, so dass ich vorhin froh war, nach dem Stelldichein mit meinen Kindern beim Koreanischen BBQ, wieder heil Zuhause gelandet zu sein, wo die letzten Reste meiner ersten beiden Knäule „Noro Silk Garden“ darauf warteten, in den Streifen eines Schales verschlauft, naja, ganz einfach verstrickt zu werden, denn, ja, sie hat wieder zugeschlagen, die Winterdepression abwehrende Wollrausch- und Stricksucht. Kann ich nur empfehlen … „Du liebes altes Jahr …“ weiterlesen

Zieht euch die Schuhe aus!

Nach 32 Kilometern über wechselnde Untergründe, manche davon fakirtrainingstauglich, kann man tags darauf spüren, welche Muskeln in Füßen und Waden eigentlich für unsere Fortbewegung, die naturgemäß barfuß stattfinden würde, zum Tragen kommen, vorausgesetzt man geht sie barfuß. Ganz nebenbei lässt sich Berlin mal ganz anders erleben und erspüren.

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tick tack

das herz schlägt im hals
will hinaus
bricht am boden
und es schreit
weil es schmerzt
sag wann hab ich verloren
und es springt und
es tobt und
es springt
bis es

schweigt

tick
tack
tick
tack

zeit
heilt

tick-tack

LIEBE, DU!

Die Blüte, die ich liebe, ob ihrer Schönheit, ich sehe ihr zu, wie sie wächst, sich entfaltet … und vergeht, um dem Weiterleben Raum zu geben. Der Baum, der mir in der Hitze Schatten spendet, ich bin froh und dankbar, dass er steht, wo er steht. Komme ich bei Blüten und Bäumen nur nicht auf die Idee, Einfluss zu nehmen, weil sie mir vollkommen erscheinen? Da ich kein Rosenzüchter bin … das Einfache in mir liebt, was es liebt, weil es genau so ist. Oder eben nicht. Und in der Liebe zu einem Menschen?
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Lesebühnenvorfreude

LESEBÜHNENVORFREUDE

892510_136118393236551_1930863381_oAuf unsere nächste Lesebühne im Mai freue ich mich ganz besonders. Nicht nur, weil es dann genau ein Jahr her ist, dass ich zum ersten Mal trotz oder gerade wegen des Jetlegs auf ihr stand und eine Reiseanekdote zum Besten geben durfte, sondern weil ich mir zwei, für mich ganz besondere, Texte ausgewählt und mir dazu Überraschungsgäste eingeladen habe, die mich – zumindest bei einem – unterstützen werden. Vielleicht verrate ich ja auch vorher noch, wer es ist … ich liebe Überraschungen, aber im Geheimnis bewahren bin ich eher so la la … ma kieken. „Lesebühnenvorfreude“ weiterlesen

Prost!

Ein Korken schmollte in der Ecke
er ward entfernt allein zum Zwecke
was er einst schützte frei zu geben
damit es geistvoll füllt mein Leben

lang schon sah ich Korken fliegen
und in dunklen Ecken liegen
zuerst allein hernach zu zwein
es schmollt ja keiner gern mag sein

dass jeden der am Boden weilte
die gleiche Einsamkeit ereilte
bevor sein Säufer sich hernach
im Fallen fast das Steißbein brach

auch mir das Herze fast bei Nacht
hat Sehnsucht keinen Schlaf gebracht
so ließ ich einen Korken fliegen
und manche Schwermut bei ihm liegen

© Jo Lenz, 27.04.2016

Schlaflos.

Das Schlaflos saß traurig vor seiner Tür, rutschte unruhig auf schlechten Träumen herum und lauschte mit geschlossenen Augen in die Nacht. Irgendwo klingelte ein Windspiel, dessen Melodie es kannte: Einmal Wind sein und um die Häuser musizieren …

Blähkritik

Herr Nämlich stellte neulich fest,
dass, wenn er einen fahren lässt,
entscheidend ist, wo er das tut
und wessen Nase dort grad ruht.

Furzt er zum Beispiel in Paris,
ist’s möglich, dass man ihn erschießt.
Auch bei den Dänen kann geschehen,
dass Gegner sich den Furz besehen,

und Jahr um Jahr Herr Nämlich bangt,
dass er von denen wird belangt,
vor deren Nasen er sich reckte
und fiese flümend Zähne bleckte.
„Blähkritik“ weiterlesen

Ab, uff den Drahtesel!

Es kommt endlich wieder Leben in die Lenden, äh in die Pedalen, der Frühling ist da. Ich also heute Morgen: nachdem mich gestern höhere Gewalt (nicht vorhandener Schlüssel) von dem Vorhaben abhielt, meine acht Kilometer Arbeitsweg auf dem Rad zu bewerkstelligen, hat heute alles gepasst. Zwar fand ich die Handschuhe nicht, aber bei Plusgraden geht das ja auch ohne. Die Schmierschicht an den Händen (Haargel plus Regenwasser) eins zwei fix an der noch trockenen Jacke abgewischt, stand dem work in nichts mehr im Wege. „Ab, uff den Drahtesel!“ weiterlesen